Was bringt die Zeit?

13 Nov 10:00 am

Sicherheit in eine ungewisse Zukunft zu bringen ist dem Menschen seit jeher ein großes Bedürfnis. Im Altertum wurden wichtige Entscheidungen grundsätzlich erst getroffen, sobald ein Orakel befragt war, schließlich ging es nicht selten um das Wohl und Wehe des ganzen Volkes. Einen entscheidenden Faktor, wann ein Orakel befragt werden sollte, spielte oft der richtige Zeitpunkt eine Rolle. Als besonders günstig galten beispielsweise die Raunächte.Allerdings hat sich die Bedeutung des Orakels im Laufe der Zeiten gewaltig verändert. So genoss das Orakel beispielsweise in der europäischen Antike ein sehr großes gesellschaftliches Ansehen. In den folgenden Jahrhunderten lösten Prophezeiungen, aber auch Utopien und Dystopien großer Denker das Orakel in seiner Bedeutung ab, verschwanden jedoch niemals völlig aus der Öffentlichkeit. Die heute bekannteste Form des Orakels ist das Befragen von Tarotkarten, von den meisten wird das allerdings als ein harmloses Vergnügen zum Zeitvertreib gesehen.

Zwar sind die Orakel der alten Griechen und Römer wie das Orakel von Delphi am bekanntesten. Die Römer wiederum befragten keine Seher, sondern versuchten, die Zukunft aus himmlischen Zeichen wie Blitzen und Donner zu deuten. Auch die alten Ägypter befragten vor wichtigen politischen und militärischen Entscheidungen das Orakel.

Auch in China und Tibet hat das Befragen von Orakeln eine lange Tradition. Am bekanntesten ist hier das Orakel mit Tierknochen, die zuvor im Feuer erhitzt wurden. Im 8. Jahrhundert wurden im tibetischen Buddhismus erstmals eine weltliche Gottheit mit dem Körper eines Menschen vereinigt, der als Medium fungierte. In der buddhistischen Gelug-Schule weissagt der frühere Schutzgeist eines Klosters die Zukunft. Der Überlieferung nach spricht er seit über vier Jahrhunderten durch einen Mönch, um die Zukunft vorherzusagen und der tibetischen Regierung Rat zu erteilen. Noch heute wird dieses Orakel von der tibetischen Exilregierung und dem Dalai Lama hoch geschätzt. Der Mönch, der als Medium dient, genießt in seinem Orden ein hohes Ansehen.

Bildquelle: Paul-Georg Meister / Pixelio

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