Umstellung auf die Sommerzeit: Nervig und nutzlos?

20 Feb 2:31 pm

Wer jünger als etwa Mitte 30 ist, kennt es gar nicht anders: Die Umstellung der Uhren im Frühjahr auf die Sommerzeit und im Herbst auf die Winterzeit. Am jeweils letzten Wochenende im März und im Oktober verändert sich die Uhrzeit. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wandert der Zeiger im Frühjahr eine Stunde nach vorne und im Herbst eine Stunde zurück. Diese Regelung gilt in den meisten europäischen Ländern seit 1980.

Ölkrise als Auslöser

Der konkrete zeitgeschichtliche Anlass für die europaweite Vereinbarung über die Einführung einer Sommer- und Winterzeit war die Ölkrise. Die Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC) erhöhte massiv die Erdölpreise, das spürte Deutschland vor allem 1973. Die Reaktion der auf diesen Energieträger angewiesenen Industriestaaten waren Sparmaßnahmen. So versuchte man unter anderem, das Tageslicht länger zu nutzen. Die Zeit, in denen bei künstlicher Beleuchtung – sie benötigt Energie – wirtschaftliche und berufliche Aktivitäten stattfinden, ist so kürzer. Diese Überlegung ist richtig, erfasst jedoch nicht den ganzen Komplex der Zeitumstellung. Vor allem zu Beginn und am Ende der Sommerzeit, also im April und im Oktober, heizen die Menschen morgens mehr, weil es faktisch eine Stunde früher und damit kühler ist. Dazu kommen weitere Effekte, die zu mehr Energieverbrauch führen: Weil es abends länger hell ist, unternehmen die Menschen in ihrer Freizeit etwas, statt sich schlafen zu legen. Dazu benötigen sie Licht.

Arbeitswelt im Wandel

Eine Entwicklung in der Wirtschaft, die mehr Energie benötigt, war vor etwa 35 Jahren noch gar nicht abzusehen. Die Arbeitszeit des einzelnen Berufstätigen koppelt sich mehr und mehr von den Betriebs- oder Geschäftsöffnungszeiten seines Unternehmens ab. Zwar gab es immer schon Tätigkeiten, die eine Präsenz an sieben Tage die Woche und an 24 Stunden pro Tag erfordern. Wer Polizist, Arzt, Schichtarbeiter in der Kohle- und Stahlindustrie oder der Zementbranche ist, muss auch nachts arbeiten. Die Produktionsverfahren zur Herstellung von Stahl oder Zement erlauben es nicht, die Maschinen zum Feierabend am Nachmittag abzustellen und am nächsten Morgen wieder hochzufahren. Inzwischen hat sich diese Trennung von persönlicher und betrieblicher Arbeitszeit aus wirtschaftlichen Gründen auf praktisch alle Branchen und Berufe ausgeweitet. Das benötigt Beleuchtung und Heizung – also Energie.

Organismus unter Druck?

Kontrovers verlaufen die Diskussionen zu der Frage, ob gesundheitliche Probleme durch die Zeitumstellung entstehen. Klagen Sie über schlechten Schlaf zum Beispiel, wenn im Frühjahr einmal eine Nachtstunde wegfällt? Sind Sie sicher, dass es nicht nur eine persönliche Empfindung ist? Eine wissenschaftlich belastbare Aussage, dass die Zeitumstellung Gesundheitsprobleme verursacht, hat die Medizin bislang jedenfalls nicht geliefert.
Foto: pixabay.com

Lassen Sie eine Antwort