Junghans: Tradition am Handgelenk

10 Feb 10:00 am

Zeitweise galt der Uhrenhersteller, der 1861 in Schramberg im Schwarzwald gegründet wurde, als weltweit größter Uhrenhersteller. Aus der einstigen Gebrüder Junghans AG haben sich zwei Unternehmen entwickelt, die beide den Markennamen tragen. Während sich die Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co KG weiterhin der Herstellung von Uhren widmet, produziert die Junghans Microtec GmbH Wehrtechnik.

Der Firmengründer Erhard Junghans absolvierte eine kaufmännische und technische Lehre, bevor er die Schweiz und Frankreich bereiste. 1854 wurde er teilhabender Geschäftsführer der schwiegerväterlichen Strohfabrik. Er kündigte dort aber, nachdem seine Lohnforderungen nicht erfüllt wurden. Fünf Jahre später erwarb er zusammen mit seinem Schwager ein Grundstück und versuchte – allerdings erfolglos – sein Glück mit einer Ölmühle. 1861 verlegte er sich schließlich auf die Produktion von Uhrenteilen.

Die ersten Uhrwerke wurden ab 1866 gefertigt, und Erhard Junghans steuerte die Firma weiter auf Erfolgskurs, der auch nach seinem Tod anno 1870 anhielt. So wurde das Unternehmen erheblich erweitert, als in den 1870er Jahren Wecker nach dem Vorbild aus Amerika produziert wurden. 1903 hatte Junghans den Zenit des Erfolges erreicht: Der Uhrenhersteller mit dem achtstrahligen Stern als Markenzeichen produzierte mit rund 3.000 Beschäftigten jährlich etwa drei Millionen Uhren.

Eine herausragende Position unter den Uhrenherstellern nahm Junghans allerdings auch noch in den folgenden Jahrzehnten ein. Beispielsweise galt das Unternehmen in den 1950er Jahren als größter Hersteller von Chronometern in Deutschland. Aus dem Hause Junghans stammte außerdem die offizielle Zeitmessung bei den Olympischen Spielen in München.

1986 präsentierte das Unternehmen eine der ersten Funkuhren, die sich auf die Zeitmessung der Atomuhr bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig einstellen konnte. Zu Ehren des Firmengründers wurde 2006 die Marke Erhard Junghans eingeführt.

Mitte der 1950er Jahre wurde Junghans von der Diehl-Gruppe übernommen. Die Uhrensparte wurde 2000 an EganaGoldpfeil, eine Holdinggruppe, verkauft. Weil die Muttergesellschaft in finanzielle Schieflage geraten war, musste Junghans 2008 einen Insolvenzantrag stellen und wurde vom Unternehmer Hans-Jochem Steim übernommen.

Bildquelle: Th. Kemnitz/ Pixelio

 

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