Hier dreht sich alles um die Uhr

17 Nov 10:00 am

Ein besonderes Kleinod finden Uhrenfans im Palais Obizzi, einem der ältesten Häuser der österreichischen Hauptstadt Wien im ersten Bezirk. Denn hier ist das städtische Uhrenmuseum untergebracht.Die Geschichte dieses Hauses geht auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Denn der Wiener Rat hatte am 4. Mai 1917 beschlossen, die Uhrensammlungen der Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach und des Mittelschullehrers Rudolf Kaftan aufzukaufen. Nachdem die Stadt seit 1901 im Besitz des Gebäudes war, standen auch die entsprechenden Räumlichkeiten zur Verfügung. Am 30. Mai 1921 öffnete das Museum schließlich seine Pforten, Rudolf Kaftan wurde zum Direktor ernannt. Er allein hatte eine Sammlung von 8.000 Uhren, die er ins Museum einbrachte und stellte auch umfangreiche Fachliteratur zur Verfügung. Das Museum besaß noch weitere 500 Uhren aus zwei Sammlungen.

Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wuchs die Sammlung des Uhrenmuseums weiter an. Denn die Uhren von enteigneten Juden wanderten in das Wiener Museum. Beispielsweise hatte Alexander Grosz, ein jüdischer Uhrmachermeister, eine große Sammlung zusammengetragen und führte eine Werkstatt in Wien. Nachdem ihm 1939 der Gewerbeschein entzogen wurde, emigrierte er in die USA. Aus seinem Bestand erwarb das Uhrenmuseum insgesamt 70 Uhren und Uhrwerke.  Während des Krieges blieb das Museum geschlossen, die Uhren wurden ausgelagert. Allerdings überstand die Sammlung die Kriegswirren nicht unbeschädigt. So gingen beispielsweise 230 Uhren aus der Sammlung von Ebner-Eschenbach verloren.

Rund 1.000 Uhren stellt das Uhrenmuseum auf drei Etagen aus. Die Besucher können hier die Entwicklung der Uhren seit dem 15. Jahrhundert anschaulich erleben. Zu den wichtigsten Exponaten gehört beispielsweise eine Turmuhr aus dem 15. Jahrhundert, aber auch das 1699 gebaute Uhrwerk der Turmuhr des Wiener Stephansdoms. Ein weiteres Highlight ist eine sogenannte Kanonenuhr. Das Rohr der Kanone dient als Gehäuse, während das Uhrwerk in einem Rad eingebaut ist. Ergänzend zur ausgestellten Sammlung besitzt das Uhrenmuseum noch etwa 4.000 weitere Uhren, die im Depot aufbewahrt werden.

Bildquelle: Rainer Sturm / Pixelio

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