Die Kerzenuhr: Eine Erfindung des Mittelalters

06 Feb 10:00 am

Kerzenuhren waren vor allem in den Klöstern des Mittelalters weit verbreitet. Weil die Mönche und Nonnen vor allem wegen der exakten Gebetszeiten genauere Zeitangaben brauchten als der Rest der Bevölkerung, nutzten sie Kerzen sowohl als Lichtquelle als auch zur Anzeige der Zeit. Als Pionier in Sachen Kerzenuhr gilt der englische König Alfred. Der Grund: Er hatte einen sehr geregelten Tagesablauf und verwendete täglich acht Stunden auf seine königlichen Pflichten. Acht Stunden betete er, während er den Rest der Zeit mit essen, schlafen und studieren verwendete.

Das Grundprinzip der Kerzenuhr basiert darauf, dass eine Kerze, die durchgehend aus demselben Material besteht und den gleichen Durchmesser hat, immer gleich schnell abbrennt. Oft wurden die Kerzenuhren deshalb auch in Laternen gestellt, um ein exakteres Abbrennen zu ermöglichen.

Die verstrichene Zeit wird bei einer Kerzenuhr durch das abgebrannte Wachs angezeigt. Dabei wurde eine Zeitskala entweder direkt auf der Kerze oder daneben angebracht. Oft wurden in die Kerze auch Metallstifte gesteckt, dass beim Abbrennen hinunterfiel und ein lautes Geräusch erzeugte.

Die verwendeten Kerzenuhren wiesen eine Toleranz von bis zu zehn Minuten auf. Sie bot nicht nur eine relative Genauigkeit, sondern konnte auch bei Dunkelheit oder bedecktem Himmel genutzt werden. Allerdings war Bienenwachs, aus dem die Kerzen hergestellt wurden, relativ teuer. Deshalb wurden in zahlreichen Klöstern Bienen gezüchtet.

Die Zeit wurde bei den Kerzenuhren in der Regel nach Stunden eingeteilt, weshalb sie oft auch Stundenuhren genannt wurden. Um die Kerzen zu eichen, wurden in den Klöstern bestimmte Gebete gesprochen oder Psalmen gesungen. Dafür wurde eine Kerze aus der jüngsten Herstellung abgebrannt und auf den anderen Kerzen die entsprechenden Markierungen angebracht. Für diese Aufgabe war in jedem Kloster ein bestimmter Mönch, der “significator horarum”, verantwortlich. Sehr wahrscheinlich wurden in die Kerzen Markierungslinien aus Ruß in die Kerze eingebrannt. Dieser Vorgang wurde so lange wiederholt, bis die erste Kerze vollständig heruntergebrannt war.

Bildquelle: CISprenger/ Pixelio

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